Es ist ein Schock für uns alle, wir sind zunächst sprachlos, und der Arzt läßt uns auch sprachlos sein. Papa ist ein sehr gefühlsbetonter Mensch, und er muß weinen. Papa weint wegen mir?

Nun folgt, was folgen muß. Es gibt im Kemperhof eine Onkologie, die durch Frau Dr. Hildegard Nolte geführt wird, und sie wird mir durch den ärztlichen Rat empfohlen. Und da auch eine Freundin meiner Eltern ihre Chemotherapie bei ihr gemacht hat, werde ich dort angemeldet und erhalte auch sofort einen Termin.

In Dr. Nolte treffe ich auf eine sehr einfühlsame Ärztin, die mir aber trotzdem in aller Klarheit vor Augen führt, was auf mich zukommt. Sie kann mir eine Therapie verabreichen, die keine Nebenwirkungen wie Haarausfall hat, aber sehr wirksam sei. Bei all diesen Gesprächen ist mein Papa dabei. Er begleitet mich zu vielen Sitzungen, ist auch dabei, als es während einer Therapiesitzung zu einem Zwischenfall kommt und ich notärztlich behandelt werden muß.

Dieser Zwischenfall hat der Ärztin klar gemacht, daß es mit dieser Art Chemotherapie nicht weitergehen kann. Ich werde darauf hin umgestellt auf eine Behandlung mit Tabletten, die ich dann zuhause nehmen muß. Einmal pro Woche muß ich zur Blutuntersuchung ins Therapiezentrum kommen. Alle Fahrten werden mit einem Taxi durchgeführt, das hat die Krankenkasse so genehmigt. Anders wäre es mir auch nicht möglich, den Weg zurückzulegen. Ich kann nicht behaupten, daß mir das gut tut. Nein, es geht mir überhaupt nicht gut.

Aber ich bin halt eben krank und akzeptiere die Übelkeit, die mich überkommt nach den Tabletten, die Appetitlosigkeit.

Ich war ja vorher berufstätig, aber den Beruf kann ich nicht weiter ausüben, und ich muß auch hinnehmen, daß mir gekündigt wird, natürlich unter Beachtung aller Fristen. Papa erledigt nun alles, was getan werden muß. Ich erhalte neben dem Krankengeld Geld durch das Arbeitsamt, sodaß zwar eine finanzielle Einbuße besteht, aber keine Not.

Was mir in dieser Zeit am meisten hilft ist die Familie, sind die Freundinnen. Immer erhalte ich Zuspruch, und ich nehme auch an einigen Festen teil, wie sie in thailändischen Kreisen halt gefeiert werden.

Ich stehe die Medikamententherapie durch, und irgendwann liege ich wieder in der Maschine zu einer weiteren Computertomographie. Der Ergebnis stellt alle zufrieden. Es sind keine Metastasen mehr zu erkennen, ein Heilungserfolg scheint sicher.

Durch die Rentenversicherung komme ich dann zu einer REHA in eine Kurklinik in Bad Mergentheim. Ich kann beruhigt dorthin fahren, denn meine Kinder weiß ich ja in der guten Obhut von Papa und Mama.

Und mir geht es wieder gut, doch an Arbeiten ist noch lange nicht wieder zu denken.

Und dann erfahre ich die ganze, neue Wahrheit.