(M)ein Fazit

Im Text erwähne ich oft meine eigenen Leiden. Aber das ist doch relativ, es geht um das Leiden von Mi, das um ein Vielfaches größer ist als das von uns, ihrer Familie. Während der ganzen Zeit der Erkrankung meiner Tochter Nareerat bin ich den Ärzten und dem Krankenhauspersonl mit Vertrauen gegenüber getreten, aber auch mit Ungeduld und Nachhaltigkeit. Ich habe in diesem ganz speziellen Fall natürlich viele Ärzte, viel Pflegepersonal kennen gelernt.

Wir haben einen Hausarzt, der im richtigen Moment richtige Entscheidungen getroffen hat. Nachdem Mi ihn nicht mehr aufsuchen kann, macht er Hausbesuche. Die Schmerzbekämpfung hat für ihn absoluten Vorrang.

In beiden Krankenhäusern haben wir Ärzte angetroffen, die Patienten nicht verwalten, sondern heilen wollen. Ja, dafür haben sie diesen Beruf gewählt, aber wir fühlten uns nie als von Halbgöttern in weiß behandelt, sondern von oft sehr gefühlsbetonten, zuwendungsfähigen Menschen. Das Pflegepersonal kann nicht auf ein Fingerschnipsen reagieren, gerade darauf reagieren sie oft energisch. Aber auf freundliches Verhalten reagiern sie, keine Bitte ist Mi jemals abgeschlagen worden, nie mußte sie um ein Medikament zweimal bitten, um eine Flasche Wasser, um eine Handreichung.

Ich habe nach dem Untersuchungsergebnis im Februar 2013 Kontakt mit dem Hospizverein Koblenz aufgenommen. Nach der letzten Krankenhausentlassung habe ich den Verein in die Pflege von Mi eingebunden. Sie kümmern sich. Jede Woche findet

mindestens ein Besuch statt. Auch sie legen allergrößten Wert auf die Schmerztherapie. Mi darf keine Schmerzen erleiden. Nur das zählt noch. Diese Entscheidung war die beste während des ganzen Verlaufs.

Die Krankenkasse prüft natürlich alle Anträge, aber alles, was wir beantragt haben, wurde genehmigt. Das waren die Taxifahrten für die Chemo- und Strahlentherapie, das waren die Hilfsmittel wie Pflegebett, Rollator, Körperstütze, Toilettensitzerhöhung, Duschsitz, es wird ein Rollstuhl sein, falls Mi wieder sitzen können sollte.

Alles, was Mi noch helfen kann, wird uns möglich gemacht zu helfen. Ich bin so dankbar dafür, daß ich alles für meine Tochter tun kann, was noch möglich ist.

Den größten Anteil daran, daß es unserer Tochter so gut geht, wie es ihr jetzt geht, hat meine Frau All. Nichts, wirklich nichts ist ihr zu viel. Hat Mi Appetit auf etwas, so steht sie klaglos da und kocht es ihr, zieht sich an und fährt mit dem Bus nach Koblenz, um das zu kaufen, was Mi sich wünscht. Sie hilft ihr nachts beim Toilettengang oder beim Wasser trinken. Sie klagen nicht, beide nicht. Ich wollte, ich wäre so stark wie meine Tochter, so stark wie meine Frau.

Denn ich weiß-mein Weinen hilft nicht, nur die Kraft meiner Tochter Mi und meiner Frau All.

Welche großartigen, starke Frauen.